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Reisebegleitung für die schöne, wilde Isar

Unseren Zugspitzausflug verbanden Herr Richtig und ich mit der Erfüllung eines langgehegten Plans: wir wollten schon lange einmal unseren Heimatfluss, die Isar, von Ihrer Geburtsstätte im Karwendel bis zu unserer Haustür in der Nähe der Wittelsbacher Brücke begleiten.

Zur Isar habe ich eine sehr innige Beziehung. An Ihrem Ufer habe ich schon viele Feste gefeiert, schon oft der Stadt zugeschaut, wie sie erwacht oder sich Schlafen legt. An heißen Tagen bringt sie mir Abkühlung, manchmal hängen nur die Füße drin, manchmal ist es wunderbar, in ihr zu schwimmen. Ich habe an ihrem Ufer für die Uni gelernt und auch fürs Leben. Mit ihr zusammen verbringe ich viele Morgen und eine Auswertung bei movescount, wie viele Kilometer ich an ihr entlang schon zurückgelegt habe, würde sicherlich ein hübsches Sümmchen zusammenbringen.

Zeit also zu schauen, wo die Schöne ihren Ursprung hat und welchen Weg sie zurücklegt, bevor sie uns in München „Grüß Gott“ sagt.

Die Isar in ihrem Karwendelcanyon
Die Isar in ihrem Karwendelcanyon

In strömenden Regen besteigen wir mit unseren Radln in Ehrwald den Zug. Trotz kurzer Verspätung erreichen wir in Garmisch den Anschlußzug nach Scharnitz. Zu unserer Freude hat der Regen nachgelassen und nach kurzer Zeit gehts sogar im Trockenen in die Karwendeltäler hinein. Beständig geht es leicht bergan, immer wieder mit wundervollen Ausblicken zur funkelnden Isar, die uns türkisgrün in einem Canyon entgegenfließt. Nach einer kurzen Abfahrt und noch ein bisschen Strecke erreichen wir ihn endlich – den Geburstort unserer Reisebegleiterin für die nächsten zwei Tage.

Ein Bankerl am Isarursprung lädt zum Verweilen ein
Am Isarursprung ist sie noch ganz klein…
Eiskalt und türkisgrün kommt sie auf die Welt.
… eiskalt und ganz klar.
Hier macht sie sich auf die Reise nach Thundorf.
Hier macht sie sich auf die Reise nach Thundorf.

Eisig kalt uns kristallklar erblickt sie als kleines Bacherl das Licht der Welt und sammelt auf ihrem Weg noch viele Gebirgsbäche ein. Wir füllen unsere Trinkflaschen mit ihrem Wasser und machen uns auf den Weg nach München. Gute 160 Kilometer liegen vor uns. Wir planen, es am ersten Tag bis nach Lenggries zu schaffen. Um 18:00 Uhr spielt ja auch Yogis Elf, bis dahin sollten wir ein Zimmer gefunden haben.

Bis Krün ist uns der Wettergott hold, dann fängt es an zu regnen. Was als leichter Niesel beginnt, entwickelt sich schnell zu anhaltendem Schnürlregen. Das schöne Karwendel versteckt sich hinter tiefen Wolken, der Fahrspaß hält sich wirklich in Grenzen. Nach einer Flussüberquerung sind auch die Füße watschelnass. Der Gasthof Zur Post in Vorderriß ist da eine willkommene Möglichkeit zur Einkehr. Wir gönnen uns ein verfrühtes Abendessen und schlüpfen wieder in unser patschnasses Gwand hinein, um die letzten Kilometer nach Lenggries in Angriff zu nehmen. Es schüttet immer noch wie aus Eimern, so dass wir auch die wunderschönen Abschnitte des Isarradwegs vor Lenggries gar nicht richtig genießen können. In Lenggries hört der Regen auf, wir bekommen spontan ein Zimmer im Lenggrieser Hof und sind pünktlich zum Anpfiff wieder halbwegs trocken.

Stromschnelle kurz hinter Lenggries.
Kurz hinter Lenggries… der Regen hört auf!
In der Nähe von Lenggries mäandert sie noch ganz wild.
Isarauen in der Nähe von Lenggries

Nach einen feinen Frühstück am nächsten morgen geht es bei leichtem Nieselregen weiter nach München. Welche Freude, als nach einer halben Stunde auf dem Rad der Regen ganz aufhört.

Bad Tölz
Bad Tölz

Wir freuen uns an der schönen Heidelandschaft zwischen Lenggries und Wolfratshausen, wo wir kurz überlegen einen Kaffee zu trinken. Hätten wir das mal gemacht… Direkt am Radweg finden wir nämlich keine Gelegenheit mehr dazu, Montag ist fast überall Ruhetag. Kilometer für Kilometer wird das Wetter immer besser. Ab Kloster Schäftlarn sind die Wege an der Isar entlang eigentloch schon Homezone für uns. Der Anstieg ans Isarhochufer in den Perlacher Forst kommt uns gar nicht so lang vor, wie sonst. Und in Grünwald genehmigen wir uns zur Feier des Tage ein paar Kilometer von unserer Wohnung entfernt doch noch einen Kaffee. Ab der Grünwalder Brücke gibts noch ein bisschen lockeres Gekurbele und schon sind wir zu Hause an der Wittelsbacher Brücke. Wir biegen ab und wünschen der Isar noch eine gute Weiterreise nach Thundorf und bedanke uns für die schöne Reisebegleitung. Vielleicht radeln wir den Isarradweg ja einmal mit ihr zu Ende… Es würde sich bestimmt lohnen.

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