Alpines

Am Gipfelgrat der Weißkugel

Schöne Aussichten auf der Schönen Aussicht

Zeit ist es mal wieder geworden für eine Hochtour! Krankheits- und verletzungsbedingt hatten Herr Richtig und ich schon lange keine Gelegeheit mehr, unserem liebsten Bergsport nachzugehen. Da kam die Gelegenheit grade richtig, uns mit Niels aka @reef2ridge und Xaver, dem Sockenhund im Schnalstal zu treffen und die Weißkugel ins Visier zu nehmen. Niels war so nett, die Reservierung auf der Bella Vista, der Schönen Aussicht zu managen und so verabredeten wir uns zu einem Twitter-Blind-Date in Kurzras. Xaver war mit uns vor zwei Jahren im Martell- und Ultental und hatte sich als Hochtourenpartner schoneinmal bewährt.

Xaver, der Sockenhund ist mit von der Partie!
Xaver, der Sockenhund ist mir von der Partie!

Nach dem Aufstieg auf die toll gelegene Hütte auf 2.845m wurden wir von Jasmin und ihrem Team aufs allerherzlichste begrüßt und durften unser schnuckeliges 3-Bett-Zimmer beziehen. Am Abend erfuhren wir dann, warum die Hütte überall so für das Essen gelobt wird. Ein perfekt gekochtes 4-Gang-Menü wurde uns serviert, das keine Wünsche offen ließ. So gestärkt fassten wir den Entschluß, gleich am nächsten Tag die Weißkugel zu besteigen. Auch weil der Wetterbericht für diesen Tag am meisten hergab.

Um halb fünf gab es ein Bergsteigerfrühstück für uns, und wir machten uns auf den Weg zum dritthöchsten Gipfel Österreichs. Die erste Viertelstunde waren wir froh über die Lichtkegel unserer Stirnlampen, dann brach aber schon bald die Dämmerung herein. Der Weg wandt sich mit angenehmer Steigung Richtung Grat und ganz im Flow passierte uns gleich das Malheur und wir bogen falsch ab. Da standen wir am Teufelsjoch vor dem Teufelsegg, also ein Jöchl zu früh! 150m wieder absteigen und uns hinter den anderen Seilschaften einreihen, oder das Teufelsegg als Gipfel mitnehmen und überschreiten, in der Hoffnung, dass das gut machbar ist? Wir wählten die konservative Variante und stiegen wieder ab, ein Verhauer pro Tag muss reichen.

An der richtigen Scharte angekommen erwartete uns eine wundervolle Gratkraxelei auf dem Weg zum Steinschlagjoch und Hintereisferner, wo wir anseilten. Auf Steigeisen konnten wir auf Grund der Temperaturen ersteinmal verzichten und stapften auf das Hintereisjoch zwischen Innerer Quellspitze und Weißkugel zu. Im Schatten wurde der Untergrund deutlich eisiger, endlich kamen die Steigeisen zum Einsatz. Immer steiler ging es bergauf, immer dünner wurde die Luft. Und wie schön war der Moment, als wir alle am Gipfelgrat standen und nur noch die letzten paar Felsmeter und vom dritthöchsten Gipfel Österreichs (3.735m) trennten! Wir machten eine ausgiebige Mittagspause und genossen die wunderbare Aussicht, bevor es wieder über Schnee und Eis Richtung Schöne Aussicht ging. Das 4-Gänge-Menü hatten wir uns mit dieser 10-Stunden-Tour wirklich verdient!

Der Wetterbericht für den nächsten Tag war eher durchwachsen. Eine kurze Tour über den Hochjochferner zum Fineiljoch und von dort aus über einen Grat zur Grawand (3.250m) war ein guter Plan. Ganz im Gegensatz zu der fast unberührten Bergwelt um die Weißkugel bot sich hier ein ganz anderes Bild. Wir stapften zwischen den Liftmasten Richtung Joch und waren entsetzt, wieviel Müll auf einer Skipiste liegen bleibt. Der obere Bereich des Gletschers ist mit einer Plane abgedeckt. Wir wichen über den Fels aus, um diese nicht mit den Steigeisen zu beschädigen.Vom Grat aus hatten wir tolle Ausblicke ins Schnalstal hinunter und gelangten schnell auf den Gipfel der Grawand. Von dort sind es nur noch ein paar Meter bis zur Bergstation auf 3.212m mit der anscheinend höchstgelegenen Hotelbar der Alpen. Die vorhandene Infrastruktur nutzen wir für eine Kaffeepause, bevor wir noch schnell auf die Graue Wand gingen und dann wieder zur Bella Vista zurückkehrten.

Der letzte Abend auf der Hütte wurden gebührend gefeiert, für den Abstiegstag war Ausschlafen geplant. Wir verabschiedeten uns von Jasmin und ihren netten Kollegen und genossen die schönen Ausblicke beim Abstieg. Unten hieß es Abschied nehmen von Niels, der ein ganz wunderbarer Seilschaftspartner war. Er und Xaver hatten noch nicht genug und machtren sich nach einem letzten gemeinsamen Kaffee an den Aufstieg zur Similaunhütte.

Blick beim Abstieg
Blick beim Abstieg

Herr Richtig und ich waren hatten noch eine Verabredung im Martelltal, aber noch Zeit bis dahin. Diese verbrachten wir mit einem erholsamen Spaziergang um den Vernagtstausee. Vom Hunger geplagt fuhren wir nach Karthaus und kehrten in die Goldene Rose ein, dem Mutterhaus der Schönen Aussicht. Auf Empfehlung des Chefs futterten wir uns durch verschiedene Knödelvariationen und besichtigten danach das romantische Bergdorf. Die Gastfreundschaft von Paul Grüner und seinen Mitarbeitern, ob auf dem Berg oder im Tal, und die Qualität der Küche werden uns noch lange in Erinnerung bleiben. Und während Niels tags darauf mit Xaver den Similaun bestiegen hat (Congratulation!!!), sind wir der Meinung, dass der Similaun ein ganz hervorragender Skiberg ist und kommen im Winter ganz sicher wieder!

Der Vernagtstausee lädt zum Verweilen ein
Der Vernagtstausee lädt zum Verweilen ein
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Reisebegleitung für die schöne, wilde Isar

Unseren Zugspitzausflug verbanden Herr Richtig und ich mit der Erfüllung eines langgehegten Plans: wir wollten schon lange einmal unseren Heimatfluss, die Isar, von Ihrer Geburtsstätte im Karwendel bis zu unserer Haustür in der Nähe der Wittelsbacher Brücke begleiten.

Zur Isar habe ich eine sehr innige Beziehung. An Ihrem Ufer habe ich schon viele Feste gefeiert, schon oft der Stadt zugeschaut, wie sie erwacht oder sich Schlafen legt. An heißen Tagen bringt sie mir Abkühlung, manchmal hängen nur die Füße drin, manchmal ist es wunderbar, in ihr zu schwimmen. Ich habe an ihrem Ufer für die Uni gelernt und auch fürs Leben. Mit ihr zusammen verbringe ich viele Morgen und eine Auswertung bei movescount, wie viele Kilometer ich an ihr entlang schon zurückgelegt habe, würde sicherlich ein hübsches Sümmchen zusammenbringen.

Zeit also zu schauen, wo die Schöne ihren Ursprung hat und welchen Weg sie zurücklegt, bevor sie uns in München „Grüß Gott“ sagt.

Die Isar in ihrem Karwendelcanyon
Die Isar in ihrem Karwendelcanyon

In strömenden Regen besteigen wir mit unseren Radln in Ehrwald den Zug. Trotz kurzer Verspätung erreichen wir in Garmisch den Anschlußzug nach Scharnitz. Zu unserer Freude hat der Regen nachgelassen und nach kurzer Zeit gehts sogar im Trockenen in die Karwendeltäler hinein. Beständig geht es leicht bergan, immer wieder mit wundervollen Ausblicken zur funkelnden Isar, die uns türkisgrün in einem Canyon entgegenfließt. Nach einer kurzen Abfahrt und noch ein bisschen Strecke erreichen wir ihn endlich – den Geburstort unserer Reisebegleiterin für die nächsten zwei Tage.

Ein Bankerl am Isarursprung lädt zum Verweilen ein
Am Isarursprung ist sie noch ganz klein…
Eiskalt und türkisgrün kommt sie auf die Welt.
… eiskalt und ganz klar.
Hier macht sie sich auf die Reise nach Thundorf.
Hier macht sie sich auf die Reise nach Thundorf.

Eisig kalt uns kristallklar erblickt sie als kleines Bacherl das Licht der Welt und sammelt auf ihrem Weg noch viele Gebirgsbäche ein. Wir füllen unsere Trinkflaschen mit ihrem Wasser und machen uns auf den Weg nach München. Gute 160 Kilometer liegen vor uns. Wir planen, es am ersten Tag bis nach Lenggries zu schaffen. Um 18:00 Uhr spielt ja auch Yogis Elf, bis dahin sollten wir ein Zimmer gefunden haben.

Bis Krün ist uns der Wettergott hold, dann fängt es an zu regnen. Was als leichter Niesel beginnt, entwickelt sich schnell zu anhaltendem Schnürlregen. Das schöne Karwendel versteckt sich hinter tiefen Wolken, der Fahrspaß hält sich wirklich in Grenzen. Nach einer Flussüberquerung sind auch die Füße watschelnass. Der Gasthof Zur Post in Vorderriß ist da eine willkommene Möglichkeit zur Einkehr. Wir gönnen uns ein verfrühtes Abendessen und schlüpfen wieder in unser patschnasses Gwand hinein, um die letzten Kilometer nach Lenggries in Angriff zu nehmen. Es schüttet immer noch wie aus Eimern, so dass wir auch die wunderschönen Abschnitte des Isarradwegs vor Lenggries gar nicht richtig genießen können. In Lenggries hört der Regen auf, wir bekommen spontan ein Zimmer im Lenggrieser Hof und sind pünktlich zum Anpfiff wieder halbwegs trocken.

Stromschnelle kurz hinter Lenggries.
Kurz hinter Lenggries… der Regen hört auf!
In der Nähe von Lenggries mäandert sie noch ganz wild.
Isarauen in der Nähe von Lenggries

Nach einen feinen Frühstück am nächsten morgen geht es bei leichtem Nieselregen weiter nach München. Welche Freude, als nach einer halben Stunde auf dem Rad der Regen ganz aufhört.

Bad Tölz
Bad Tölz

Wir freuen uns an der schönen Heidelandschaft zwischen Lenggries und Wolfratshausen, wo wir kurz überlegen einen Kaffee zu trinken. Hätten wir das mal gemacht… Direkt am Radweg finden wir nämlich keine Gelegenheit mehr dazu, Montag ist fast überall Ruhetag. Kilometer für Kilometer wird das Wetter immer besser. Ab Kloster Schäftlarn sind die Wege an der Isar entlang eigentloch schon Homezone für uns. Der Anstieg ans Isarhochufer in den Perlacher Forst kommt uns gar nicht so lang vor, wie sonst. Und in Grünwald genehmigen wir uns zur Feier des Tage ein paar Kilometer von unserer Wohnung entfernt doch noch einen Kaffee. Ab der Grünwalder Brücke gibts noch ein bisschen lockeres Gekurbele und schon sind wir zu Hause an der Wittelsbacher Brücke. Wir biegen ab und wünschen der Isar noch eine gute Weiterreise nach Thundorf und bedanke uns für die schöne Reisebegleitung. Vielleicht radeln wir den Isarradweg ja einmal mit ihr zu Ende… Es würde sich bestimmt lohnen.

Blick auf die Kulisse von Bad Gastein

Zeitreise nach Bad Gastein

Unser Urlaub führte uns Anfang März nach Bad Gastein. Bad Was? Ja, genau: Bad Gastein, manchmal das „Metropolis der Alpen“ genannt. Nach einem touristischen Boom ist Bad Gastein in den Achtziger Jahren in den Dornröschenschlaf gefallen und erlebt im Moment einen richtigen Hype. Unsere Bad Gastein Aufenthalte beschränkten sich bisher auf Kurzaufenthalte. Einmal lieferten wir eine Arbeitskollegin zu Hause ab, das andere Mal schlugen wir in Bockstein unser Basecamp für die Ankogel-Tour auf.
Ich habe ein Herz für ungewöhnliche Gastronomie- und Hotelkonzepte. Das liegt ganz sicher an meinem Beruf und an meinem grundsätzlichen Faible für schräge Vögel. In den unenendlichen Weiten des Internets sprang mich das Hansi und Hansi an. Allein der Name machte mich hellhörig. Und die Fotos! Eine Frühstückspension oder hip-deutsch „Bed&Breakfast“ ganz nach meinem Geschmack. Flugs eine Mail ans Hansi und Hansi geschrieben und tataaaaa… Die Antwortmail hat den Deckel zu gemacht. Ich finde nichts schlimmer als gestelzte Hoteliersbriefe. Die Antwort aus Bad Gastein war genau meins… Freundlich, familär, salopp und genau ins Herz. Dass da eine Namensvetterin antwortete war umso schöner. Mmanchmal habe ich ein kindliches Gemüt und freue mich an so einem Zufall eine Zeit lang (und nein… Ich habe keinen total seltenen Namen, ich freue mich einfach nur gerne). Ein Dach über dem Kopf war gesichert, los gings ins Gasteiner Tal.
Bei der Fahrt durch einen uralten, langen Tunnel beschleicht mich die Frage, wie in grauer Vorzeit jemand auf die Idee gekommen ist, dort zu siedeln. Nach dem Tunnel weitet sich das Tal, schöne Bergblicke haben wir keine. Es schneit und ist neblig. Aber hey: Es schneit! Das hat diesen Winter Seltenheitswert, da ist die Sicht egal. Vorbei a den eher dörflichen Orten Dorfgastein und Bad Hofgastein geht es über eine steile Straße nach Bad Gastein. Wie die letzten beiden Male finde ich dieses Städtchen irgendwie surreal. Grand-Hotels aus der Kaiserzeit und Belle-Époque-Villen klammern sich an die steilen Felsen, die vielen Bäume lassen ihre Äste schwer vom Schnee hängen und der Nebel gibt dem ganzen Ensemble eine Film-Noir-Stimmung. Zu allem Überfluss rauscht ein 250 Meter hoher Wasserfall durch den Ort. Kitsch as Kitsch can!

Panorama Bad Gastein
Panorama Bad Gastein
A propos Wasser: dieses Element bildete das Fundament für den Aufstieg Bad Gasteins. Seit über 500 Jahren ist die heilende Wirkung der heißen und radonhaltigen Thermalwasserquellen bekannt und zog vor allem im 19. Jahrhundert viel Prominenz in das malerische Tal. Ob Kaiserin Sissi, Winston Churchill oder Liza Minelli und der Schah von Persien: Sie waren alle in Bad Gastein, bevor der Hype vor 40 Jahren rum war und das mondäne Städtchen anfing zu bröckeln.
Beim Spaziergang durch die engen und steilen Gassen kommt Berlin-Feeling auf, wenn man die vielen verammelten Fenster sieht.
Auffällig sind die vielen jungen Leute, viele Snowboarder in sehr, sehr weiten und sehr, sehr bunten Klamotten. Nicht wenige davon Schweden. Es tut sich was in Bad Gastein.
Und ein Teil von diesem Aufbruch ist das Hansi und Hansi. Das Team bestehend aus Felix, Tina und Walter betreiben die Pension auf das Liebevollste. Felix hat die Pension von seiner Oma übernommen und umgestaltet, ohne dem Haus seinen Charme zu nehmen. Es herrscht WG-Feeling, man ist per Du. Walter zeigt uns unser Zimmer und ich freue mich wie ein Schnitzel, dass wir ein Zimmer in meiner Lieblingsfarbe haben, in leuchtendem Türkis! Mit Ausblick in einen romantisch verschneiten Garten noch dazu.

Nach der Fahrt steht uns der Sinn nach Kaffee. Von Walter bekommen wir den Tipp, eggenüber vom Bahnhof bei den netten Damen vom The Blonde Beans vorbeizuschauen. Ein gemütlicher kleiner Coffeeshop, der von den zwei Schwedinnen Filippa und Anna betrieben wird. Außer leckerem Kaffee gibt es kleine Sancks, die sehr zu empfehlen sind.
Im Hansi und Hansi gibt es außer dem Frühstück keine Küche. Wir hatten noch soviele Lebensmittel zu Hause, die wir abends im WG-Wohnzimmer verspeist haben. Im Kühlschrank an der Bar ist Bier, Wein und Gin. Die Getränke werden auf Vertrauensbasis abgerechnet. Das Frühstück wird als Menü serviert. Man merkt das der Hausherr gelernter Koch ist, der schon auf der ganzen Welt unterwegs war. Auf kleinen Tellern werden feine Leckereien serviert. Oft ungewöhnlich, aber immer lecker.
Wir sind im Chill-Modus und überlegen, vor lauter Powder pisteln zu gehen. 49,00 € für einen Skipass halten uns von diesem Vorhaben ab. Wir fahren mit dem Skibus gratis Richtung Hofgastein ins Angertal und starten dort zum Stubnerkogel. Nach einer Viertelstunde auf der Piste biegen wir bald in den traumhaft verschneiten Wald ein und haben gleich vergessen, dass wir mitten im Skigebiet sind. Je höher wir kommen, desto schlechter wird die Sicht. Die letzten Höhenmeter der Tour würden auf der Piste verlaufen, da erscheint die Einkehr in der Stubneralm viel verlockender. Den Nachmittag verbringen wir schlendernd durch Bad Gastein und tauchen im Café Schuh noch weiter in die Vergangenheit ab. Am Abend futtern wir wieder im Wohnzimmer und überlegen uns, was wir am nächsten Tag unternehmen könnten.

Skitour durch dichten und verschneiten Wald
Auf dem Weg zum Stubnerkogel

Das Frühstück am nächsten Morgen ist wieder unglaublich lecker. Wir beladen das Caddymobil mit unseren Habseligkeiten und werden vom HansiHansi-Team herzlich verabschiedet. Bevor wir weiterfahren nach Bad Aussee wollen wir das Kaiserwetter ausnutzen und zur Rockfeldalm gehen. Wieder verläuft der erste Teil der Tour auf der Piste und wir sind froh, dem Trubel in einer Kehre zu entkommen. Die Landschaft ist wunderbar, wieder führen ein paar Schritte aus dem Skizirkus heraus in fast unberührt scheinende Natur. Es ist recht warm und so ist der Schnee wirklich anstrengend zu spuren. Vom örtlichen Jäger nehmen wir noch die Warnung bezüglich der Lawinengefahr entgegen und spuren weiter ins Tal hinein. Unterhalb der Rockfeldalm finden wir ein gemütliches Platzerl, machen Rast und genießen die Sonne. Eine Packung Mannerschnitten später spuren wir durch Sulz wieder zurück und nehmen Abschied vom Gasteiner Tal.

Schee wars!

Skispur durch ein verschneites Tal
Spurarbeit Richtung Rockfeldalm
Tief verschneite Berghütte in der Sonne
Pausenplatzerl
Gipfelpanorama auf dem Hehlekopf mit Hohem Ifen

Skitourentage im Kleinwalsertal

Die Planung einer Skitourenwoche war diesen Winter kein leichtes Unterfangen. Der Wetterbericht wechselte ständig, aus dem angesagten Powderalarm wurden entweder nur ein paar Flöckchen, oder es schneite schnell mal 20 cm und schmolz am nächsten Tag bei frühlingshaften 12 Grad schneller weg, als dass man die weiße Pracht auch nur fotografieren konnte. Wir warteten also ab bis kurz vor knapp und entschieden uns auf Grund der Wetter- und Niederschlagsvorhersagen für die Schwarzwasserhütte im Kleinwalsertal aka Schneeloch. Herr Richtig und ich waren 2009 schon einmal ein paar Tage auf der Hütte und hatten die Hütte und das Gebiet in guter Erinnerung. Die Hütte selber liegt nicht hoch (1651 m) und auch die Gipfel im Gebiet der Hütte beeindrucken nicht mit großer Höhe. Die Schwarzwasserhütte ist also eher ein Gebiet, in dem man eine Vormittagstour macht, und nachmittags nach einem Kaffee und einer Brotzeit nochmal aufbricht. Nach dem krankheitsbedingten Tal der Tränen und der angesichts der gerade erst überwundenen Stirnhöhlenentzündung zumindest für mich die bestmögliche Wahl, etwas hochalpines hatte der Doc mir eh strikt untersagt.Montags machten wir uns in der gewohnten Kombi bestehend aus Stephan, Boris, Herrn Richtig und mir auf den Weg von München ins Kleinwalsertal und fuhren durch übelsten Regen, im Allgäu dann durch dichten Schneefall, über teils spiegelglatte Straßen Richtung Riezlern. Tipp: wer in der Gegend von Riezlern ist, sollte unbedingt in die Cantina Vertical einkehren. Tamara, ihr Mann und das supernette Team bewirten dort mit feinstem Kaffee und leckeren Kleinigkeiten!

Wer mit dem Auto ins Schwarzwassertal fährt, sollte davor den Sparstrumpf leeren. Der Tourengeherparkplatz kostet 6,00€ pro Tag und der Automat nimmt nur Münzen.

Der Aufstieg zur Hütte verläuft auf einer gut gewalztem Weg und zieht sich recht lange ohne merklichen Höhengewinn dahin, bevor er dann kurz vor der Hütte aufsteilt. Pünktlich zum Abendessen um 18.00 Uhr waren wir auf der Hütte und haben nur schnell unsere Zimmer bezogen.

Am ersten Tag machte die Wade wieder Probleme. Die Herren zogen also ohne mich los, um Richtung Hehlekopf (Klappe die Erste) zu gehen und dort ein bisserl im dichten Nebel herumzustochern.

Der Hehlekopf wurde auch an den anderen Tagen zum Ziel der Wahl. Er war bei den Schneeverhältnissen und Lawinenwarnstufe 3 die vernünftigste Wahl und vor allem auch für mich machbar. Als Tagesabschluss haben wir nach getaner Arbeit am Hehlekopf noch das Steinmadl in Angriff genommen. Den Gipfel haben wir ausgelassen, da uns die Querung im oberen Bereich des Hanges zu unsicher erschien.

Der Wettergott hat uns eigentlich sehr gut mitgespielt. Tagsüber gab es längere Passagen mit Sonnenschein, über Nacht frischen Pulverschnee, so dass wir immer fast unverspurte Hänge vorgefunden haben.

Für meinen Gesundheitszustand und die herrschenden Schnee- und Wetterverhältnisse haben wir das Beste rausgeholt. Nur auf dem Hohen Ifen war ich wieder nicht – ich denke, das hole ich im Sommer einmal nach.

Blick auf den Hohen Ifen mit Skitourengeher
Stephan vor dem Hohen Ifen

Operation FussW – Kampf an allen Fronten

Seit dem Knöchelbruch im April 2014 ist der Wurm drin. Irgendwas ist immer und läuft bei meinen sportlichen Plänen und Ambitionen quer. Der Knöchelbruch – ja, das war wenigstens was! Ursache klar, Wirkung auch, klare Diagnose, klare Aussage des Lieblings-Docs und klare Aussichten auch für mich. Klar, 12 Wochen mag niemand pausieren. Und auch das Aufbautraining nach der langen Ruhigstellung war langwierig. Aber das lange Tal der Tränen, das darauf folgte, das war das Allerschlimmste.

Der kaputte Fuss hatte sich dank fleissigem Training erstmal gut gemacht. Aber kaum wiegte ich mich in Sicherheit, gings los mit den Zickereien. Die Wade wollte plötzlich so gar nicht mehr. Der Angriff kam unerwartet und dafür richtig heftig. Ein gemütliches Läufchen an der Isar und auf einmal ZACK! Ein stechender Schmerz und nichts ging mehr. Wie ein geprügelter Hund bin ich heimgehumpelt. Dass dieser schmerzhafte Zwischenfall genau auf dem Scheitelpunkt der 10km-Runde passiert ist, ist nur das Sahnetüpfelchen gewesen. Geregnet hats ja auch noch… grrr…. Darauf folgte ein lustiges Wechselspiel zwischen Pause (braver Patient!!!), schmerzfreier Phase, zaghaften Laufversuche, erneuten Wadenschmerzen etc… Muskuläre Dysbalance hat es geheißen. Also Physiotherapie, Training und das ganze von Vorne. Nach vier Monaten hatte der Spuk ein Ende, die Wade gab Ruh‘ und ich ging motiviert wieder ans Werk.

Nach der Skitourensaison kam das Metall aus dem Fuss. Wieder ein paar Wochen Ruhe geben, vorsichtiger Neuanfang, braves Auftrainieren. Die Wade lohnte mir meine Bemühungen nicht und machte prompt wieder Theater. Zum Glück bin ich mit einem Orthopäden gesegnet, der wirklich Verständnis für Sportler hat und auch nicht so schnell aufgeben mag. Die Wade wurde außer mit Physiotherapie nun auch mit Strom gepiesackt. Nach weiteren nervigen Wochen, die ich sehnsüchtig auf meine Laufschuhe gestarrt hatte, schien die Sache ausgestanden zu sein. Und wieder startete ich ganz brav mit klitzekleinen 5km-Runden, erhöhte die Umfänge ganz sparsam und blieb erstmal in wohlfeilem Invaliden-Thempo. Aber  hey – besser langsam laufen, als gar nicht! Denn von „gar nicht“ hatte ich echt genug.

„Naja, so gut ist der Fuss auch nicht mehr.“ – Orthopädenhumor

Eines schönen Sommerabends gab es einen wundervollen Feierabendlauf auf den Schwarzenberg. Der Föhnsturm versprach einen Mega-Sonneuntergang von diesem Aussichtsgipfelchen. Der Sonennuntergang war dann auch genau so toll wie erwartet. Eher unerwartet kam aber ein grandioses Unwetter über den Wendelstein geschwappt. Da hieß es dann Gas geben und so bin ich in recht flottem Tempo die 400HM den Berg runtergaloppiert, das heftige Gewitter an den Fersen. Kurz vor dem Parkplatz schlug dann der Blitz ein. Und zwar genau ins rechte (eigentlich nicht kaputte) Sprunggelenk. In diesem Moment dachte ich mir gar nichts dramatisches dabei. Und doch sollte das der Auftakt sein für weitere vier Monate Schmerzen und Laufpause.

Humpelnd gings zum Lieblings-Doc, der beherzt zum linken Fuss griff. Nein, nein,…Der „gute“ Fuss ist es, der schmerzt. Kommentar vom Weißkittel nach kurzer Betrachtung: „Naja, so gut ist der auch nicht mehr!“. Dankeschön! Also was tun? Physiotherapie, Laufpause, Entzündungshemmer,… alles wirkunsglos. Röntgen ohne Befund. Vielleicht mal ein MRT? Ab in die Röhre also. Der Radiologe fand ein wirklich ansehliches Potpourri an Altschäden, aber keine wirkliche Ursache für die Schmerzen (immerhin bin ich nun stolze Besitzerin von zwei Bänderrissen, die mir bis dato nicht bekannt waren).

Mann, hatte ich die Schnauze voll! Ich suchte mir zusätzlich noch einen Physiotherapeuten, der sich ausführlich mit mir und meinen Füssen beschäftigte. Den bezahle ich zwar aus eigener Tasche, aber mit Jonas Trojer habe ich auch ein echtes Goldstück gefunden, der Mann hat „magic hands“! Vom Doc ließ ich mir eine Kortisonspritze setzen, damit wir das Problem zumindest räumlich eingrenzen konnten. Zum Glück war hier der erste Schuß ein Treffer. Jeden Tag gab es mindestens zwei Blackroll-Einheiten, die Blackroll Mini hatte ich sogar in der Handtasche dabei. Nachdem ich zumindest wieder eine halbe Stunde schmerzfrei laufen konnte, habe ich dem Volker in der laufbar einen Besuch abgestattet und machte eine richtige Bewegungsanalyse. Volker hat einige Schwachpunkte entdeckt und hat mir einen Übungsplan ausgearbeitet, um gezielt Muskeln aufzubauen, und mir aber auch für die nächste Zeit einen stabileren Laufschuh empfohlen.

Dem Tal der Tränen entronnen?

Was nun schlußendlich zum Erfolg geführt hat weiß ich nicht. Die Hände von Jonas? Das rumrollen auf der Blackroll? Viele, viele Yoga-Stunden? Die Laufpause? Das Kortison? Die tens-Therapie? Die Laufanalyse von Volker? Der neue Schuh von Saucony? Ich bin nur so froh, dass es nun anscheinend endlich wieder aufwärts geht!